KOCO Solutions verkauft Software für die Abfallsammlung, und ihre bisherige Prognose war eine adaptive lineare Regression: die Füllrate zwischen zwei Leerungen mitteln und fortschreiben. Das funktioniert, sieht aber immer nur Daten von Sammeltagen, eine Handvoll Punkte pro Woche.
Das erste Problem war nicht die Modellierung, sondern die Form der Daten. Die an den Sammelstellen erfassten Gewichte mussten zu einer durchgehenden Reihe werden, bevor ein Zeitreihenmodell überhaupt ansetzen kann. Also haben wir die Messungen in eine Kette linearer Regressionen überführt und dazwischen interpoliert, um eine Füllrate in kg/Tag zu erhalten. Begonnen hatten wir mit kg/Stunde und es verworfen: dort waren nur 2,15% der Punkte echte Messungen gegenüber 25,6% bei Tagesauflösung, und es gab keinen Feldbeleg dafür, dass die Befüllung innerhalb eines Tages linear verläuft. Die gröbere Auflösung zu wählen war die Entscheidung, die die Zahlen belastbar gemacht hat.
Danach haben wir fünf Modellfamilien (Prophet, FFT, RNN, LSTM, Transformer) gegen das bestehende System gestellt, alle nach demselben zweiteiligen Protokoll: ein Wert über alle interpolierten Punkte, einer nur über echte Sammeltage. Der erste misst, ob die Kurve stimmt, der zweite, ob sie an dem Tag nützt, an dem ein Disponent entscheidet.
Die tiefen Modelle verloren. RNNs, LSTMs und Transformer landeten auf oder leicht unter KOCOs linearer Basis, bei vergleichbarem Aufwand für Training und Betrieb. Prophet und FFT gewannen, Prophet deutlich: 48,04 kg mittlerer absoluter Fehler gegenüber 75,0 kg beim Bestandssystem, und 19,80% MAPE gegenüber 40,42%. Der Rest der Empfehlungen kam aus der explorativen Analyse, nicht aus dem Bauchgefühl: Ausreisser richteten echten Schaden an, also kamen Log-Transformation und eine Trennung der Container nach Grösse dazu.
Ausgeliefert wurde etwas, das sie ohne uns betreiben können: eine dockerisierte Trainings- und Inferenzstrecke, über TOML konfiguriert, dazu ein modulares Analyse-Toolkit für Saisonalität, Messintervalle und Trends je Abfallart. Auch die operativen Fragen, an denen eine Einführung hängt, haben wir beantwortet. Rund vier Monate Historie bei ein bis drei Messungen pro Woche genügen fürs Training, und für einen neuen Container an einem bestehenden Standort trifft ein Modell eines gleichartigen Nachbarn auf ±5%.
Beide Partner bewerteten das Projekt im Schlussbericht an Innosuisse mit 1 von 4, sehr erfolgreich.